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Change ohne Kulturarbeit ist wie Segeln ohne Wind

· 4 Minuten Lesezeit · ROTH INSTITUT

Inhalt Zusammengefasst:

Organisationale Veränderungsprozesse scheitern häufig nicht an fehlenden Methoden, sondern daran, dass sie ohne Bezug zur bestehenden Organisationskultur umgesetzt werden. Fehlt dieser kulturelle Bezug reagiert das Gehirn aus neurowissenschaftlicher Sicht mit Unsicherheit und aktiviert das Stresssystem. Diese Stressreaktion entsteht vor allem dann, wenn im Veränderungsprozess Orientierung und psychologische Sicherheit fehlen. Kulturarbeit hingegen schafft gemeinsame Werte, Normen und Vertrauen. Diese Faktoren aktivieren das Belohnungssystem und fördern die Offenheit für Neues.

Ohne gezielte Kulturarbeit ist ein nachhaltiger Wandel kaum denkbar. Vier praxisnahe Ansätze zeigen, wie Führung, HR und Coaching Rahmenbedingungen schaffen können, die einerseits Orientierung durch Mitarbeiterbeteiligung bieten, andererseits die Bereitschaft für Neues innerhalb der Organisation stärken.

Warum Change ohne Kulturarbeit ins Leere läuft

Change ohne Kulturarbeit ist wie Segeln ohne Wind. Die Ausrüstung ist vorhanden, doch es fehlt die Kraft, die Organisation tatsächlich in Bewegung zu setzen. Kulturarbeit beschreibt die bewusste Gestaltung von gemeinsamen Werten, Normen und Führungsverhalten, die im Alltag Orientierung bieten. Ohne kulturellen Bezug werden Veränderungen als potenzielle Gefährdung grundlegender Bedürfnisse angesehen und werden daher von den Mitarbeitenden meist abgelehnt oder gelten als nicht nachhaltig (Stabenow, 2018).

Unser menschliches Gehirn strebt nach Stabilität, Kontrolle und Zugehörigkeit (Kerschbaumer, 2021). Ein plötzlicher Wandel steht diesen Grundbedürfnissen jedoch gegenüber, sodass dieser oft als bedrohlich empfunden wird (Weitz, 2014). Häufig führt das beim Menschen zu unbewusstem Stress im limbischen System, der Teil des Gehirns, der für die emotionale Verarbeitung zuständig ist und Bedrohungen besonders schnell registriert (Nguyen-Phuong-Mai, 2022). Kulturarbeit liefert die benötigte Sicherheit und Sinnstiftung, um die Aktivierung des Stresssystems zu verhindern. Sie bietet Zugehörigkeit, ermöglicht dem Gehirn Veränderungen als sinnvoll wahrzunehmen und implementiert diese in bereits bestehende Routinen. Dabei werden Stress- und Abwehrreaktionen reduziert und die Offenheit für Neues steigt.

Das Gehirn sucht Sicherheit

Aus neurowissenschaftlicher Sicht versucht das Gehirn möglichst energieeffizient zu arbeiten, indem es Routinen bevorzugt, die weniger kognitive Ressourcen verbrauchen (Nguyen-Phuong-Mai, 2022). Veränderungen hingegen durchbrechen diese Routinen und erzeugen Ungewissheit (Stabenow, 2018).

Stresssystem vs. Belohnungssystem

Ob Veränderungen zu Widerstand oder Offenheit führen, hängt vor allem von dem  Zusammenspiel zwischen Stress- und Belohnungssystem ab. Diese beiden neurobiologischen Systeme bestimmen, ob Veränderungen als Risiko oder Chance eingestuft werden (Weitz, 2014). Für nachhaltigen Wandel muss daher das Belohnungssystem gezielt stimuliert werden, während gleichzeitig Stressreaktionen minimiert werden.

Kulturarbeit als Schlüssel für Veränderung

Eine stabile Kulturarbeit bildet hierbei die Grundlage für erfolgreiche Veränderungsprozesse. Sie schafft das Vertrauen, keine negativen Konsequenzen befürchten zu müssen und reduziert somit Stress- und Abwehrreaktionen und fördert gleichzeitig die Lernbereitschaft (Schlenker, 2023). Zudem sorgen gemeinsame Werte und der Erhalt von funktionierenden Routinen dafür, dass das dopaminerge Belohnungssystem aktiv bleibt. Dadurch wird die Motivation der Mitarbeitenden aufrechterhalten (Nguyen-Phuong-Mai, 2022). Kulturarbeit ist somit der Schlüssel, um Veränderungen in bestehenden Strukturen zu integrieren und diese nachhaltig wirksam zu machen.

Erfolgsfaktoren für wirksame Kulturarbeit

Sinnstiftung und OrientierungKlare Kommunikation des Zwecks und die Verbindung zu bestehenden Werten und Routinen der Organisation. Das Ritualisieren von Veränderungen geben dabei Orientierung und schaffen neurobiologische Sicherheit (Schlenker, 2023; Weitz, 2014).

Psychologische Sicherheit fördernEine offene Kommunikationskultur ohne Angst vor negativen Konsequenzen reduziert die Aktivität des Stresssystems und fördert die Lernbereitschaft (Stabenow, 2018; Schlenker, 2023).

Aktive Einbindung der MitarbeitendenAktive Beteiligung der Mitarbeitenden verhindert Stressreaktionen oder Widerstand und erhöht die Akzeptanz (Nguyen-Phuong-Mai, 2022).

Führungskräfte als VorbilderFührungskräfte, die Werte glaubwürdig vorleben, schaffen Orientierung und fördern die Verankerung von Veränderung. (Wladar, 2022).

Fazit – Kulturarbeit als Grundlage für Veränderungen

Aus neurowissenschaftlicher Sicht ist Kulturarbeit der Rückenwind, der Veränderungen in Bewegung setzt. Kulturarbeit schafft die notwendigen Rahmenbedingungen, um Stressreaktionen zu reduzieren, Vertrauen aufzubauen und das Belohnungssystem des Gehirns zu aktivieren. Auf dieser Grundlage können Offenheit, Lernbereitschaft und Akzeptanz entstehen, welche zentral für erfolgreichen Wandel sind.

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Literatur:

Stabenow, M. (2018). Widerstände im Change-Prozess erfolgreich überwinden.

Schlenker, I. T. (2023). Make it safe – Wie Sie eine psychologisch sichere Arbeitsumgebung fördern.

Nguyen-Phuong-Mai, M. (2022). Neuroscience can contribute to change management: STREAP-Be model.

Wladar, Daniel (2022): Emotional and cognitive impacts of organisational change (Masterarbeit). Hochschule Kempten.

Kevin Weitz. (2014). The Neuroscience of Organizational Culture.

Scheucher, Verena. (2020). Leben ist Veränderung. Universität Graz.

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