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Stress- & Resilienzmanagement

Umgang mit digitalem Stress in der modernen Arbeitswelt

· 5 Minuten Lesezeit · ROTH INSTITUT

Inhalt Zusammengefasst:

  • Digitaler Stress entsteht durch ständige Erreichbarkeit, Multitasking und Informationsüberflutung, was zu Erschöpfung, Burnout und schlechterer mentaler Gesundheit führen kann.
  • Individuelle Bewältigungsstrategien wie klare Trennung von Arbeits- und Freizeit, Vermeidung von Multitasking und Achtsamkeitstechniken sind entscheidend, um digitalen Stress zu reduzieren.
  • Unternehmen sollten eine gesunde Unternehmenskultur fördern, Schulungen anbieten und klare Kommunikationsrichtlinien etablieren, um die Belastung der Mitarbeitenden durch digitalen Stress zu minimieren.

Umgang mit digitalem Stress in der modernen Arbeitswelt

Die moderne Arbeitswelt ist geprägt von technologischen Fortschritten, die nicht nur die Art und Weise, wie wir arbeiten, revolutionieren, sondern auch neue Herausforderungen mit sich bringen. Während digitale Technologien den Zugang zu Informationen und die Zusammenarbeit erleichtern, schaffen sie gleichzeitig Bedingungen, die zu erheblichem Stress führen können. Die ständige Erreichbarkeit, der Druck, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, und die Überflutung mit Informationen sind nur einige der Faktoren, die digitalen Stress verursachen. Doch was genau ist digitaler Stress, und wie können sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen diesem begegnen?

Was ist digitaler Stress?

Digitaler Stress ist ein Phänomen, das in der heutigen Arbeitswelt immer häufiger auftritt. Er entsteht, wenn Menschen durch die ständige Vernetzung und den Druck, ständig erreichbar und produktiv zu sein, überfordert werden. Die permanente Verbundenheit mit digitalen Geräten und die Erwartung, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, führen zu einer erheblichen kognitiven Belastung. Diese Belastung kann sich in Form von mentaler Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und einem allgemeinen Rückgang des Wohlbefindens äußern (Hefner & Vorderer, 2017).

Die Auswirkungen von digitalem Stress

Mit der zunehmenden Nutzung digitaler Technologien am Arbeitsplatz sind auch die negativen Folgen für die Gesundheit der Mitarbeitenden gestiegen. Eine bedeutende Quelle für Stress in digitalen Arbeitsumgebungen ist die Informationsüberflutung. Mitarbeitende sind heute mit einer unendlichen Menge an Informationen konfrontiert, die sie verarbeiten und auf die sie reagieren müssen. Diese Überflutung führt nicht nur zu Stress, sondern kann auch das Gefühl verstärken, wichtige Informationen zu verpassen, was als „Information FOMO" (Fear of Missing Out) bezeichnet wird. Diese beiden Faktoren – Informationsüberflutung und IFoMO – sind eng mit einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit und einem erhöhten Risiko für Burnout verbunden. Studien zeigen, dass diese Aspekte des digitalen Stresses nicht nur das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen, sondern auch zu einer gesteigerten Erschöpfung führen (Marsh et al., 2024).

Darüber hinaus hat die erzwungene Umstellung auf Remote-Arbeit während der COVID-19-Pandemie zusätzliche Stressfaktoren geschaffen. Mitarbeitende, die plötzlich auf Homeoffice umstellen mussten, sahen sich nicht nur mit der Herausforderung konfrontiert, ihre Arbeit in einer neuen Umgebung zu organisieren, sondern auch mit einer intensiveren Nutzung digitaler Plattformen. Diese erhöhte Abhängigkeit von digitalen Tools führte zu einer Form von Erschöpfung, die als Technologieerschöpfung bezeichnet wird. Diese Technologieerschöpfung beeinträchtigt das subjektive Wohlbefinden erheblich, da die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit zunehmend verschwimmt (Singh et al., 2024).

Strategien zur Bewältigung von digitalem Stress auf individueller Ebene

Es gibt mehrere Strategien, die Einzelpersonen anwenden können, um den digitalen Stress zu reduzieren und ihre mentale Gesundheit zu schützen. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die klare Trennung von Arbeits- und Freizeit. Dies kann durch das bewusste Ausschalten digitaler Geräte nach Feierabend erreicht werden. Regelmäßige Pausen während des Arbeitstages sind ebenfalls entscheidend, um die kognitive Belastung zu reduzieren und sich zu erholen. Ein weiterer wichtiger Ansatz ist das Vermeiden von Multitasking. Durch die Konzentration auf eine Aufgabe nach der anderen können Menschen effizienter arbeiten und gleichzeitig ihren Stresspegel senken (Hefner & Vorderer, 2017).

Ein weiterer effektiver Ansatz zur Reduktion von digitalem Stress ist die Schulung in Achtsamkeitstechniken. Diese Techniken helfen dabei, den Moment bewusst zu erleben und die eigene Wahrnehmung zu schärfen, was wiederum die Fähigkeit verbessert, Stress zu bewältigen. Studien zeigen, dass Menschen, die Achtsamkeit praktizieren, besser in der Lage sind, mit Informationsüberflutung umzugehen und die negativen Auswirkungen von IFoMO zu minimieren. Die Fähigkeit, Informationen zu filtern und Prioritäten zu setzen, ist in einer digital überladenen Arbeitsumgebung von entscheidender Bedeutung, um langfristig gesund zu bleiben (Marsh et al., 2024).

Neben diesen Maßnahmen spielt auch die Selbstfürsorge eine zentrale Rolle bei der Stressbewältigung. Das bedeutet, dass Mitarbeitende auf ihre körperlichen und emotionalen Bedürfnisse achten sollten. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf. Diese Elemente tragen dazu bei, die Resilienz gegenüber digitalem Stress zu stärken und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern (Singh et al., 2024).

Praktische Empfehlungen für Unternehmen zur Verringerung von digitalem Stress

Unternehmen tragen eine große Verantwortung, wenn es darum geht, eine gesunde Arbeitsumgebung zu schaffen, die den digitalen Stress minimiert. Eine der wichtigsten Maßnahmen besteht darin, eine Unternehmenskultur zu fördern, die die Bedeutung von Pausen und Erholung anerkennt. Führungskräfte sollten darauf achten, dass Mitarbeitende nicht durch ständige Erreichbarkeit überlastet werden. Dazu gehört auch, klare Kommunikationsrichtlinien zu etablieren, die unnötige Unterbrechungen minimieren und den Mitarbeitenden Raum geben, sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren.

Zudem sollten Unternehmen in Schulungen investieren, die Mitarbeitende im Umgang mit digitalen Tools und Stressbewältigungstechniken schulen. Dies kann dazu beitragen, den Umgang mit Technologie am Arbeitsplatz zu verbessern und die negativen Auswirkungen von digitalem Stress zu verringern. Auch die Gestaltung von digitalen Plattformen sollte darauf abzielen, die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern und die kognitive Belastung zu minimieren (Hefner & Vorderer, 2017).

Ein weiteres wichtiges Element ist die Förderung einer offenen und unterstützenden Kommunikation innerhalb des Unternehmens. Mitarbeitende sollten die Möglichkeit haben, über ihre Erfahrungen mit digitalem Stress zu sprechen und Unterstützung zu erhalten. Ein solches Umfeld trägt dazu bei, den Stress zu reduzieren und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu stärken.

Fazit: Der bewusste Umgang mit digitalem Stress als Schlüssel zum Erfolg

Digitale Technologien sind aus der modernen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken, doch um ihre Vorteile voll ausschöpfen zu können, müssen sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen proaktiv gegen digitalen Stress vorgehen. Durch bewusste Maßnahmen zur Stressbewältigung, eine klare Trennung von Arbeits- und Freizeit sowie die Förderung einer gesunden Unternehmenskultur kann digitaler Stress effektiv reduziert und die mentale Gesundheit gestärkt werden. Langfristig profitieren Unternehmen von zufriedenen und gesunden Mitarbeitenden, die motiviert und leistungsfähig bleiben.

Literatur:

Hefner, D., & Vorderer, P. (2017). Digital stress: Permanent connectedness and multitasking. In L. Reinecke & M. B. Oliver (Eds.), The Routledge handbook of media use and well-being: International perspectives on theory and research on positive media effects (pp. 237–249). Routledge/Taylor & Francis Group

Marsh, E., Perez Vallejos, E., & Spence, A. (2024). Overloaded by Information or Worried About Missing Out on It: A Quantitative Study of Stress, Burnout, and Mental Health Implications in the Digital Workplace. SAGE Open.

Singh, P., Bala, H., Dey, B. L., & Filieri, R. (2024). Enforced remote working: The impact of digital platform-induced stress and remote working experience on technology exhaustion and subjective wellbeing. Technological Forecasting and Social Change.

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