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Führung in Ausnahmesituationen: Sensible Themen im Arbeitsalltag begleiten

Inhalt Zusammengefasst
Sensible Themen wie Krankheit, Überlastung oder persönliche Krisen gehören unausweichlich zum Arbeitsalltag von Führungskräften. Sie verlangen nicht nur organisatorisches Geschick, sondern auch emotionale Kompetenz. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse machen deutlich, warum Emotionen in Ausnahmesituationen oft stärker wirken als rationale Argumente und welche Rolle Stressreaktionen im Gehirn dabei spielen. Entscheidend ist, dass Führungskräfte einerseits Empathie zeigen, um Stress im Team abzumildern, und andererseits Klarheit vermitteln, um Orientierung zu schaffen. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit zur Selbstregulation: Wer die eigenen Stressreaktionen im Griff hat, wirkt glaubwürdig und stabil. Führung hat jedoch auch klare Grenzen. Sie kann Sicherheit und Rahmenbedingungen schaffen, ersetzt aber keine therapeutische Begleitung. Wer diese Balance meistert, stärkt die Resilienz des Teams und legt die Grundlage für konstruktive Zusammenarbeit auch in schwierigen Phasen.
Führung in Ausnahmesituationen: Sensible Themen im Arbeitsalltag begleiten
Sensible Themen als Führungsaufgabe im Arbeitsalltag
Im Arbeitsalltag lassen sich sensible Themen wie Krankheit, Überlastung oder persönliche Krisen nicht vermeiden. Sie fordern Führungskräfte in besonderer Weise heraus, weil Emotionen oft stärker wirken als rationale Argumente (Roth & Ryba, 2016). Mitarbeitende erwarten in solchen Situationen Halt, Orientierung und Verständnis. Doch wie kann Führung in Ausnahmesituationen gelingen, ohne dass die Grenzen zur therapeutischen Rolle überschritten werden?
Stress und Sicherheit im Gehirn verstehen
Die meisten von uns kennen es, wenn in einer Ausnahmesituation der Puls steigt und das fokussierte Denken eingeschränkt wird, sodass klare Entscheidungen schwerfallen. Dies lässt sich auf die Neurowissenschaft zurückführen. Die Amygdala bewertet Situationen als Bedrohung und löst eine erhöhte Ausschüttung an Cortisol aus (Roth, 2019). Dadurch wird die Aufmerksamkeit vor allem auf Gefahren gelenkt und erschwert somit rationales Handeln. Mitarbeitende geraten dadurch schneller in Alarmbereitschaft oder Rückzug. Studien zeigen zugleich, dass Vertrauen und soziale Unterstützung die Ausschüttung von Oxytocin fördern und so ein stärkeres Gefühl von Sicherheit entsteht (Churchland, 2011). Für Führungskräfte bedeutet das, dass sie zwar die Ursachen nicht immer beseitigen können. Sie können allerdings die Stressreaktion abmildern, indem sie Stabilität und Verlässlichkeit vermitteln.
Empathie und Klarheit als zentrale Führungsinstrumente
Vor allem in sensiblen Situationen brauchen Mitarbeitende emotionale Unterstützung und Orientierung. Empathisches Verhalten einer Führungskraft kann dabei Stressreaktionen der Mitarbeitenden abmildern und die soziale Verbundenheit stärken (Kock, 2019). Durch eine gleichzeitige klare Kommunikation wird den Mitarbeitenden Struktur geschaffen und rationales Handeln wird durch die Aktivierung des präfrontalen Cortex erleichtert (Roth & Ryba, 2016). Führung gibt in Ausnahmesituationen daher besonders Stabilität, wenn ein empathisches Verhalten mit einer klaren Ziel- und Strukturorientierung verbunden wird.
Handlungssicherheit durch Selbstregulation und Kommunikation
Um Stabilität vermitteln zu wollen, müssen Führungskräfte zunächst ihre eigenen Stressreaktionen regulieren. Aus neurowissenschaftlicher Sicht spielt hier der präfrontale Cortex eine wichtige Rolle. Der präfrontale Cortex bremst emotionale Impulse und ermöglicht überlegtes Handeln (Roth, 2019). Gelingt diese Selbstregulation bei der Führungskraft, wirkt Führung glaubwürdiger und verlässlicher. Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine offene Kommunikation. Die Rede ist von aktivem Zuhören und Transparenz. Beide Aspekte fördern Vertrauen und geben dem Team psychologische Sicherheit (LMU, 2021). Bedeutend dabei ist allerdings, die eigene Rolle deutlich abzugrenzen. Führung kann zwar Orientierung bieten, ersetzt allerdings noch lange keine psychotherapeutische Begleitung.
Fazit und Ausblick
Sensible Themen wie Krankheit, Überlastung und persönliche Krisen verlangen von Führungskräften sowohl emotionale Stabilität, als auch klare Orientierung. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse verdeutlichen, dass Sicherheit dann entsteht, wenn Stressreaktionen abgefangen, Vertrauen verstärkt und rationale Entscheidungen unterstützt werden (Roth & Ryba, 2016). Die Schwierigkeit als Führungskraft liegt darin, die Balance zwischen Empathie, Klarheit und Selbstregulation zu schaffen. Des Weiteren müssen Führungskräfte ihre Grenzen kennen. Sie sind zwar da, um Rahmenbedingungen für Sicherheit zu schaffen, ersetzen allerdings keine Therapeuten. Wer diese Schwierigkeit in der Haltung als Führungskraft meistert, stärkt die Resilienz im Team und schafft die Basis für eine gute Zusammenarbeit, auch in Ausnahmesituationen.
Wer diese wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht nur verstehen, sondern auch praktisch anwenden möchte, findet im Neuro-Leadership-Zertifikatslehrgang des ROTH INSTITUTs eine systematische Vertiefung. Dort lernen Führungskräfte, wie neurowissenschaftliche Prinzipien nachhaltig in den Führungsalltag integriert werden können.
Literatur:
Churchland, P. S., Winkielman, P., & Slater, J. (2011). Modulating social behavior with oxytocin: How does it work?
Kock, N., Mayfield, M., Mayfield, J., Sexton, S., & De La Garza, L. M. (2019). Empathetic leadership: How leader emotional support and empathy are linked to job performance.
Ludwig-Maximilians-Universität München – Evidenzbasiertes Management. (2021). Psychologische Sicherheit fördern: Wie Sie eine psychologisch sichere Arbeitsumgebung fördern. LMU.
Roth, G. (2019). Bildung braucht Persönlichkeit: Wie Lernen gelingt. Klett-Cotta.
Roth, G., & Ryba, A. (2016). Coaching, Beratung und Gehirn: Neurobiologische Grundlagen wirksamer Veränderungskonzepte. Vandenhoeck & Ruprecht.